Besuch bei Familie Morimoto

Im Mai 2015 wurde mir das Geschenk zuteil, drei Tage bei den Morimotos wohnen zu dürfen, ihre Tee-Farm kennen zu lernen und ihnen bei der Teeernte über die Schulter blicken zu können.

Schon der Empfang am Bahnhof war unglaublich herzlich: Tobias von Marimo und Shigeru Morimoto holten uns vom Bahnhof ab. Schon nach wenigen Sekunden fühlte ich mich trotz der Sprachbarriere (Shigeru Morimoto spricht kein Englisch, und ich (noch…) kein Japanisch) fast wie ein Teil der Familie.

So wurde ich auch untergebracht: Ich durfte direkt im Haus der Morimotos übernachten, und am täglichen Leben teilhaben.

Am ersten Tag ging es über die Felder der Morimotos, die nicht an einer Stelle zusammen liegen, sondern teilweise einige Kilometer vom Haus entfernt. So haben die Morimotos diverse Tee-Lagen auf ihren Feldern….

Abends gab es ein opulentes Abendessen in einem japanischen Restaurant: Immer neue Gerichte wurden aufgefahren, und ich lernte, dass wenn ich sage, dass ich etwas auch als Vegetarierin essen kann, diese Speise dann auch sofort bestellt wird…

Der Zweite Tag war der Tag, auf den ich mich den gesamten Japan-Aufenthalt über gefreut hatte: Ein Tee-Erntetag mit auf dem Feld! Auch für die Morimotos war der Tag spannend: Hinter ihrem Haus hatten sie vor 5 Jahren ein Teefeld mit neuen Teesträuchern bepflanzt, und dieses Jahr wurden diese das erste Mal geerntet und verarbeitet.

Ich konnte miterleben, was zu einer Tee-Ernte gehört: Das Ernten mit der Erntemaschine. Das Laden der Erntesäcke von der Erntemaschine auf den kleinen LKW der Familie. Die Fahrt in die Verarbeitung, das Entladen des LKWs – und wie der Tee dann erst einmal kühl gelagert wird, um eine Fermentation zu unterbinden, bis genug zur Produktion gesammelt worden ist.

Anschließend die Produktion: Es war schon Mittag geworden, und also gab es erst einmal eine kleine Stärkung. Im Anschluss wurde der Tee dann verarbeitet: Das muss immer am selben Tag erfolgen, sonst fermentiert der Tee. Von daher kann ein Erntetag sehr lang werden, wenn viel geerntet wurde, und die Verarbeitung des Tees entsprechend spät startet – und natürlich dann auch länger braucht.

Der Verarbeitungsprozess startet mit dem Dämpfen des Tees – hier riecht man intensiv das tolle Aroma der frischen Pflanze. Anschließend wird der gedämpfte, und damit recht weiche und empfindliche Tee über viele Stationen abgekühlt. Im Anschluss wird er gerollt und weiter getrocknet. Wenn er dann gerollt und getrocknet ist, hat man ein lagerfähiges Zwischenprodukt: Den Ara-Cha. Den würde man so nicht trinken, aber er sieht doch schon sehr wie Tee aus! Allerdings enthält er noch die unterschiedlichsten Bestandteile, und muss noch sortiert werden.

Außerdem verrät es die Nase: Die endgültige Süße fehlt noch! Oft wird der Ara-Cha so an die Kooperative weiter verkauft, aber bei den Morimotos wird der Tee, den wir verkaufen, direkt vor Ort sortiert und noch einmal erhitzt, damit die Süße des Tees zum Vorschein kommt.

Nachdem der Ara-Cha erst einmal produziert war, wurde für diesen Tag Feierabend gemacht, und es gab wieder ein sehr reichhaltiges Abendessen – diesmal in der Küche der Morimotos.

Der nächste Tag war leider schon der letzte meines Aufenthalts bei den Morimotos. Dafür startete er mit einem Highlight: Der Verkostung diverser Tees, die Tobias von Marimo aufgoss: So konnte ich den Geschmacklichen Unterschied der Tees probieren – unter anderem zwischen Ara-Cha und finalem, fertigem Tee: Ein Teil unserer Ernte von gestern war schon fertig produziert!

Ein ganz besonderes Gefühl, den ganz frischen Tee zu probieren, bei dessen Ernte man dabei war, und bei dem man sogar ein bischen mit helfen konnte…

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